Man könnte denken, dass die Züchtung von Apfelsorten inzwischen zu keinen wirklich neuen Ergebnissen führt, wachsen doch allein in Deutschland über 1500 verschiedene Sorten – wäre da nicht 1955 die natürliche Mutation zur Säulenform aufgetreten.
In British Columbia auf einer Apfelplantage fiel ein Apfelbaum der Sorte McIntosh auf: Durch eine natürliche Mutation wuchs er in Säulenform, also kaum abzweigenden Ästen.
Dr. Jürgen Reckin ist überzeugt: Würde man alte, lokale Apfelsorten in Säulenform züchten, könnte man auf engem Raum viele verschiedene Äpfel ernten. Diese sind resistent gegen Krankheiten und Schädlinge, der Arbeitsaufwand was den Obstbaumschnitt anbelangt fällt weg und Vielfalt ist gleichzeitig eine gute Strategie in Zeiten von sich veränderndem Klima.
Die Straßenäpfel sind reif und verrotten am Straßenrand? Nicht in Gatschow, einem kleinen Dorf im Landkreis Demmin (Mecklenburg-Vorpommern), wo das Landkombinat Gatschow mit WikiWoods aktiv wurde. Dort wurden säckeweise Äpfel gesammelt, gewaschen und mit Freiwilligen in 10 Tagen zu über 5000 Liter Saft verarbeitet. Dazu kam eine selbst konstruierte Saftstraße zum Einsatz: Kartoffelwaschanlage, umgebauter Asthechsler, Presse, Pastorisier- und Abfüllanlage:
„Mundraub.org ist eine Internet-Plattform für Obst-Allmende. Sie verfolgt das Ziel, in Vergessenheit geratene Früchte der Kulturlandschaft im öffentlichen Raum wieder in die Wahrnehmung zu rücken und in Wert zu setzen, um sie als Teil unserer Kulturlandschaft und der Biodiversität dauerhaft zu erhalten.“ (Zitat der Homepage)
Die Allmende ist eine Form gemeinschaftlichen Eigentums; ein anderer Begriff dafür ist Gemeingut. Das Funktionsprinzip einer Allmende ist ein Ausgleich des Nehmens und Gebens. Es basiert darauf, dass Menschen miteinander teilen und weiterführen, was sie vorfinden oder von vorangegangenen Generationen übernehmen. Gemeingüter dienen daher auch dem sozialen Zusammenhalt.
Die Bienenkiste ist eine besonders pfiffige Form einer Bienenbehausung, die das Halten von Bienen stark vereinfacht und damit für jeden Interessierten möglich macht. Entwickelt wurde sie 2008 von dem Hamburger Stadtimker Erhard Maria Klein zusammen mit dem Imkermeister Thomas Radetzki und ist ein Projekt der Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung – Melifera e.V.
Unter dem Stichwort “OpenFarmTech” habe ich am Wochenende bei der WikiWoods-Sommerakademie das “GlobalVillageConstruction-Kit” – sowie einige Freiwillige, die daran mitarbeiten – kennen gelernt. Auf dieser Plattform können technische Lösungen geteilt werden, die nötig sind, wenn sich ganze Orte selbst versorgen wollen.
Kulturpflanzen, die sich selbst vermehren, gehören zur Lebensgrundlage
von Lara Mallien erschienen in der Zeitschrift Oya 06/2011
In der Schorfheide nördlich von Berlin, im Ort Finowfurt, lebt Jürgen Reckin und vermehrt seine Schätze. Einige hat er aus den entferntesten Winkeln der Welt zusammengetragen. »Bei den Amish in den USA fand ich eine Salatform, die bei uns schon lange ausgestorben ist, den Hirschzungensalat. Er kann sich selbst aussäen und wächst heute wild überall in meinem Garten. Pflanzen, die den Wildformen nahestehen, sind ursprünglicher in ihrer Biochemie und enthalten eine viel höhere Konzentration an nahrhaften oder heilsamen Inhaltsstoffen.«
Soziale Qualität und Gemeinnützigkeit – was haben diese Begriffe mit unseren täglichen Nahrungsmitteln zu tun?
Für die Versorgungsgemeinschaft Löwengarten ist das nichts Neues. Landwirtschaft wird hier als Gemeinschaftsaufgabe von Verbrauchern und Erzeugern gesehen, bei der die Interessen beider Seiten gleichmäßig berücksichtigt werden. Neben ökologischen spielen auch gesellschaftliche Aspekte eine Rolle.
Als ich das erste mal von dem Regionalladen erfahre, stehe ich vor einem auffälligen DIN A3 Plakat im Foyer des Campus’ der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Es ist weniger jenes dezentes gelb der Plakatgrundfarbe, denn mehr der viele Platz, die Reduktion auf das Wesentliche. Eine Eigenschaft, die mir später wieder begegnen wird. Die einfache und klare Botschaft des Plakates lautet: „regional + saisonal“ und „erzeugernah + ökologisch + transparent + verantwortungsbewusst“. Natürlich gehöre ich als Student einer „grünen Hochschule“ zur Zielgruppe. Unweigerlich sinniere ich über eine zukunftsträchtige stabile Wirtschaft mit (möglichst) regionalen und geschlossenen Kreisläufen. Neugierig beschließe ich für den nächsten Tag einen Besuch des Ladens „Krumme Gurke“.
Posted by Ingo Frost on Donnerstag, 4 November, 2010
Am Anfang des 21. Jahrhunderts stand der kleine Ort Rodewald in Niedersachsen vor einer großen Herausforderung. Das seit über 30 Jahren funktionierende (herkömmliche) Freibad verlangte dringend eine gründliche Sanierung, sonst würde das Bad geschlossen werden. Die Betriebskosten waren auch eine zu große Last für das kleine Dorf.
Die engagierten Einwohner fanden eine Lösung. Sie gründeten den Förderverein Freibad Rodewald e.V., um das alte Freibad in ein neues Naturbad gemeinschaftlich umzubauen.
Auf einer ca. 6000 qm großen Brachfläche in Kreuzberg ist im Juni letzten Jahres ein urbaner Gemüse- und Kräutergarten entstanden. Das Nachbarschaftsprojekt hat sich zu einem Treffpunkt entwickelt, bei dem nicht nur gegärtnert wird, sondern auch zusammen Mahlzeiten zubereitet werden.